Experience-Welt
Versicherer A
- Individuelle Customer Experience
- Portal, Identity Provider & Middleware
- Syrius als bisheriges Kernsystem
- Hohe Frontend- und Prozessflexibilität
Enterprise Transformation · Reference Architecture
Edition 01 · Zielbild & Übergang
Interaktives Architektur-Playbook
Vom parallelen Versicherungsbetrieb zur gemeinsamen digitalen Plattform
Ein interaktiver Architektur-Almanach zur Zusammenführung von Kundenbeständen, Identitäten, Portalen, Kernsystemen und digitalen Prozessen.
Experience-Welt
Plattform-Welt
A bleibt Versicherer und Kundenmarke. B wird SaaS-Plattformanbieter.
Architektur erkundenContext map
Zwei Betriebsmodelle werden nicht nur technisch verbunden. Rollen, Verantwortungen und Kundenerlebnis werden neu geordnet.
Die Fachlichkeit und die Prozesse von B sollen genutzt werden, ohne die individuelle Customer Experience und Integrationsfähigkeit von A aufzugeben.
Rollenmodell und Verantwortungsgrenzen müssen vor der technischen Integration verbindlich sein.
Welche fachlichen Services garantiert B als stabile SaaS-Verträge – unabhängig vom eigenen Portal?
Ohne klare Grenze entsteht ein hybrider Gesamtstack mit doppelter Produkt- und Betriebsverantwortung.
Baseline architectures
A optimiert auf Entkopplung und Differenzierung. B optimiert auf Integration und standardisierte Fachprozesse.
Welt A
Welt B
| Kategorie | Welt A | Welt B | Fusionsimplikation |
|---|---|---|---|
| Identity | eigener IdP | Keycloak | Identitäten verbinden, Ziel-IAM definieren |
| Frontend | individuell | Plattformportal | Portal A als einziger Experience Layer |
| Prozesslogik | teilweise orchestriert | integrierte Prozessservices | Fachlogik nach B, Komposition bei A |
| Integration | Middleware-zentriert | plattformintern | stabile Servicegrenze etablieren |
| Datenmodell | kanonisch / individuell | plattformnah | Mapping explizit versionieren |
| Release-Zyklen | kanalorientiert | plattformorientiert | entkoppelte Verträge und Kompatibilität |
| Innovation | hoch im Experience Layer | stark innerhalb des Stacks | Differenzierung oberhalb der Fachservices |
| Abhängigkeit | verteilt | hoch zur Plattform | Exit-, Export- und API-Governance |
Die Fusion kombiniert zwei Optimierungsmodelle; sie sollte keines davon unreflektiert kopieren.
Welche heutige Logik in A ist Differenzierung – und welche nur historisch gewachsene Kernsystemkapselung?
Architecture principles
Sechs Regeln halten Übergangsentscheidungen auf Kurs und verhindern, dass temporäre Kopplung zum Zielbild wird.
Alle Kontaktpunkte erscheinen im Branding von A – Portal, Login, Passwort-Reset, MFA, E-Mail, SMS, Dokumente, Self Services, Fehler, Deep Links und Wartungsseiten.
Der zentrale Einstieg hängt weder von Kundenherkunft noch vom führenden Vertragssystem ab.
Neue Produkte, neue Verträge und migrierte Bestände werden langfristig vollständig in B geführt.
Sie entwickelt sich vom Syrius-Wrapper zur strategischen Experience- und Orchestrierungsschicht.
Dual Routing, Synchronisation und Legacy-Adapter erhalten Owner, Messgrößen und Abschaltkriterien.
Das Frontend kennt Fähigkeiten und kanonische Modelle – niemals System-A/B-Verzweigungen.
Leitplanken werden als Architecture Decision Records operationalisiert und bei jeder Migrationswelle geprüft.
Ausnahmen ohne Ablaufdatum verwässern das Zielbild und erzeugen dauerhafte Doppelarchitektur.
Target operating architecture
A kontrolliert das Kundenerlebnis. B liefert eine belastbare SaaS-Fachplattform hinter einer expliziten Servicegrenze.
VertragVersionierte APIs, Events und Fehlersemantik
BetriebSLA, Observability und Incident-Handover
ExitExportfähigkeit und kontrollierte Entkopplung
Fachliche Wahrheit verbleibt in B; A besitzt Modelle für Kanalbedürfnisse, nicht eine zweite Vertragslogik.
Welche Verfügbarkeits- und Konsistenzgarantien gelten je Service und Prozessklasse?
State transition
Der Parallelbetrieb ist ein kontrollierter Zustand mit Routing, Identitätsverknüpfung und messbarem Rückbau – kein unscharfes Zwischenbild.
Portale, Kundenbestände, Identitäten und Kernsysteme existieren nebeneinander.
Portal A konsolidiert den Zugang; Middleware und Mapping beherrschen die Herkunft.
Legacy und Übergangsadapter sind entfernt; die SaaS-Grenze ist stabil.
Routingquote, Fehlerrate, Mappingqualität und verbleibende Legacy-Nutzung.
Owner, Laufzeit, Datenhoheit und Rückfallverhalten je Übergangskomponente.
Abschaltkriterium, letzte Nutzung, Archivzugriff und kontrollierte Entfernung.
Migrationsstatus wird als explizites Fachobjekt behandelt, nicht aus zufälligen Datenmerkmalen abgeleitet.
Unbeobachtete Übergangspfade können unbemerkt zu dauerhaften Produktionsabhängigkeiten werden.
Identity is not an account
Eine Person kann mehrere fachliche Rollen, technische Benutzer und Vertragsbeziehungen besitzen. Migration beginnt deshalb mit Semantik, nicht mit Login-Daten.
Eine Kundenidentität kann gleichzeitig sein:
Identitäten analysierenKunden und Benutzer getrennt betrachten
Globale Kunden-ID definierenstabil, systemneutral, nicht sprechend
Mapping-Repository einführennachvollziehbar und versioniert
Dublettenregeln festlegenMatch, Merge, Review und Rollback
Keycloak-Zielbild definierenRealm-, Client- und Rollenmodell
Konten verknüpfenmit beweisbarer Zuordnung
Passwort & MFA klärenMigration, Reset oder Re-Enrolment
Partner in B anlegenminimale, valide Partnerdaten
Rechte übertragenVerträge, Rollen und Vollmachten
Login vereinheitlichenA-Branding über jeden Pfad
+ schneller Zielzustand, weniger Föderation
– frühes Risiko, Passwort/MFA, Datenqualität
+ schrittweise Umstellung, geringeres Migrationsrisiko
– Token-, Session- und Doppelstruktur-Komplexität
+ aktive Kunden zuerst, verteilte Last
– komplexe Fehlerfälle, langer Altbestand
Ein möglicher Ansatz: Föderation mit Just-in-Time-Verknüpfung kombiniert frühe Risikoreduktion mit einem klaren Migrationspfad. Die konkrete Ausgestaltung hängt von Passwortformaten, MFA-Verfahren, Datenqualität und regulatorischen Vorgaben ab.
Globale Kunden-ID, Mapping-Lebenszyklus und Nachweis der Kontenverknüpfung vor der ersten Bestandswelle festlegen.
Ein erfolgreiches Login beweist weder die fachliche Person noch deren Berechtigung auf einen Vertrag.
One front door
Portal A wird schrittweise zum einzigen digitalen Einstieg – zuerst für Sicht, dann für Handlung, schließlich für vollständige Prozessabdeckung.
A-Branding, Login, Kunden- und Vertragsübersicht, Dokumente, Kontakt.
Adresse, Bankdaten, Präferenzen, Schaden, Upload und Status.
Vertragsänderung, Produktwechsel, Kündigung, Leistungsantrag, Signatur, Prozessfortsetzung, Postfach und Historie.
Keine B-Links, Zugangsdaten oder sichtbaren Medienbrüche mehr.
| Funktion | System A | System B | Portal A integriert | Ablösung möglich |
|---|---|---|---|---|
| Vertragsübersicht | ja | ja | konsolidiert | ja |
| Dokumentenzugriff | ja | ja | teilweise | noch nicht |
| Adressänderung | ja | ja | orchestriert | ja |
| Schadenmeldung | ja | ja | in Ausbau | noch nicht |
| Vertragsänderung | begrenzt | ja | offen | nein |
| Postfach & Historie | teilweise | ja | offen | nein |
Die Einträge illustrieren den Steuerungsmechanismus; reale Reifegrade müssen im Programm erhoben werden.
Ein Kunde sieht Fähigkeiten – nicht die technische Herkunft seines Vertrags.
Portal B kann erst entfallen, wenn kritische Journeys in A funktional, betrieblich und barrierefrei abgedeckt sind.
Welche B-UIs sind temporär einbettbar, ohne Login-, Branding- oder Accessibility-Brüche zu erzeugen?
Separation of concerns
Kanalaggregation, Integrationsorchestrierung und fachliche Wahrheit benötigen eigenständige, bewusst begrenzte Verantwortungen.
Navigation, Eingabe, Accessibility, Zustandsdarstellung
AUI-Modelle, Roundtrips, Session-Kontext, Fehlerübersetzung
ARouting, Mapping, Resilienz, Events, Audit und Tracing
APartner, Vertrag, Dokumente, Prozesse und Self Services
BVerträge, Produkte, fachliche Regeln und Transaktionen
BDer BFF darf nicht zum zweiten Kernsystem werden. Die Middleware darf nicht dauerhaft jede fachliche Funktion duplizieren.
Begriffe im Kontext:
Logik gehört nur dann in den BFF, wenn sie kanalspezifisch ist und keine fachliche Wahrheit erzeugt.
Welche Orchestrierungen sind temporär migrationsbedingt und welche dauerhaft kanalübergreifend?
Runtime decisioning
Ein Mischkunde bündelt Verträge, Identitäten, Dokumente und Prozesse aus mehreren technischen Welten – die Experience bleibt dennoch konsistent.
Anfrage empfangen
Kunde identifizieren
Vertrag bestimmen
Migrationsstatus prüfen
führendes System ermitteln
Servicefähigkeit prüfen
routen oder orchestrieren
kanonisch antworten
Parameter wählen und den daraus abgeleiteten Laufzeitpfad prüfen.
Der nicht migrierte Vertrag bleibt in Syrius führend; die Kundensicht wird mit Daten aus B konsolidiert.
Routingregeln werden zentral versioniert, beobachtet und ohne Systemwissen im Frontend angewendet.
Ein technischer Fallback darf bei schreibenden Prozessen keine unklare fachliche Wahrheit erzeugen.
Transformation sequence
Zugang sichern, Bestände migrieren, Doppelstrukturen nachweisbar entfernen. Abhängigkeiten bestimmen die Reihenfolge – nicht der Kalender allein.
Eine gemeinsame Eingangstür und die minimalen Steuerungsfähigkeiten schaffen.
Identität und Route sind für jeden Pilotkunden erklärbar.
Bestände in Wellen bewegen und Portal A zur vollständigen Handlungsschicht ausbauen.
Jede Welle ist reconciled, supportbar und rückbaubar.
Aktive Bestände und Prozesse konsolidieren, temporäre Komponenten vollständig entfernen.
Keine aktive Journey benötigt eine Legacy-Komponente.
Wellen werden nach Capability, Datenqualität und Betriebsreife geschnitten – nicht nur nach Produktbestand.
Welche Exit-Kriterien sind technisch messbar und wer bestätigt sie fachlich?
Differentiation layer
Das Kernsystem liefert belastbare Fachlichkeit. Der Experience Layer komponiert daraus verständliche, kanalübergreifende Kundenerlebnisse.
konsolidierte Vertragsübersicht
personalisierte Next-Best-Actions
kanalübergreifende Fortsetzung
proaktive Schadenkommunikation
kontextabhängige Self Services
dynamische Produktvorschläge
digitale Vertragsoptimierung
intelligente Dokumentenerkennung
assistierte Dateneingabe
transparente Prozessstatus
barrierearme Gerätenutzung
Web, App & Servicecenter
Innovation nicht vollständig an Kernsystem-Releases koppeln.
BFF und Middleware stellen stabile Abstraktionen bereit.
Fachliche Wahrheit verbleibt im Kernsystem.
Kundenzentrierte Komposition entsteht in der Experience-Schicht.
Innovationsideen werden gegen API-Fähigkeit, Datenverfügbarkeit und fachliche Ownership geprüft.
Eine Experience-Schicht ohne fachliche Grenzen erzeugt attraktive, aber inkonsistente Schattenprozesse.
Failure modes
Die gefährlichsten Lösungen funktionieren kurzfristig. Ihre Kosten werden erst sichtbar, wenn Rückbau, Betrieb und Datenwahrheit geprüft werden.
Systemverzweigungen wandern in jede Journey. Rückbau und Testkombinatorik werden unkontrollierbar.
Konkurrierende Schreibpfade erzeugen widersprüchliche Stände und schwer erklärbare Konfliktlösungen.
Konten und fachliche Personen werden falsch gleichgesetzt; Dubletten und Berechtigungsfehler folgen.
Die sichtbare Farbe ändert sich, Kontrolle über Journeys, Releases und Integration verbleibt jedoch bei B.
Fachregeln werden dupliziert und weichen mit jedem Release weiter vom führenden System ab.
Adapter und Jobs werden zu unbefristeten Produktionskomponenten ohne klare Produktverantwortung.
Fehlerursachen, Datenprobleme und Betriebsrisiken treffen gleichzeitig aufeinander. Rückfallfähigkeit und Isolation sinken drastisch.
Wenn eine Übergangslösung keinen Owner, keine Telemetrie und kein Abschaltdatum besitzt, ist sie bereits Teil des Zielbilds geworden.
Automatisiert messen, ob Frontend-Systemwissen, Synchronisationspfade und Legacy-Nutzung tatsächlich abnehmen.
Welche heutige „temporäre“ Komponente besitzt noch kein finanziertes Rückbau-Epic?
Decision inventory
Zentrale Entscheidungen werden als zusammenhängendes Portfolio geführt – mit Status, Konsequenz und nachvollziehbarem Owner.
Kontext & KonsequenzWarum wurde entschieden und welche Alternativen entfielen?
WirksamkeitWelche Messgröße zeigt, dass die Entscheidung trägt?
Review-DatumWann muss eine Übergangsentscheidung neu bewertet werden?
Glossar:
Status ist kein Reporting-Schmuck: Kritische offene Entscheidungen blockieren abhängige Migrations-Gates.
Owner, Entscheidungstermin und Review-Zyklus für jede Domain verbindlich ergänzen.
End state
Das Programm endet nicht mit dem letzten Datensatz, sondern mit eindeutiger fachlicher und betrieblicher Verankerung im Zielmodell.
aktiven Journeyslaufen ohne Legacy-Abhängigkeit
unbekannten Identitätenin produktiven Zuordnungen
führendes Systemje Fachobjekt und Lebenszyklus
Betriebsübergabefür SLA, Incident, Archiv und Exit
Die Werte sind Zielkriterien, keine Aussage über einen heutigen Projektstand.
AbschlussbotschaftDie Migration ist abgeschlossen, wenn nicht nur Daten übertragen wurden, sondern Kunden, Verträge, Identitäten, Prozesse und Betriebsverantwortung eindeutig im Zielmodell verankert sind.